Zielfernrohr Kaufberatung: Das richtige Glas für Jagd & Sport
Ein Zielfernrohr ist keine Nebensache. Es ist das Bindeglied zwischen Schütze und Ziel - und in vielen Situationen der entscheidende Faktor zwischen Treffer und Fehlschuss. In 16 Jahren beim Kommando Spezialkräfte und über 1000 Einsatztagen habe ich eines gelernt: Die beste Waffe der Welt bringt dir nichts, wenn du dein Ziel nicht sauber erfassen kannst. Ich habe Optiken bei minus 30 Grad in den Bergen gesehen, die komplett beschlagen sind. Ich habe erlebt, wie ein Zielfernrohr nach einem harten Absprung seine Einstellung verloren hat. Und ich habe gesehen, was passiert, wenn jemand mit der falschen Vergrößerung in eine dynamische Lage geht.
Diese Zielfernrohr Kaufberatung soll dir helfen, genau diese Fehler zu vermeiden. Egal, ob du Jäger bist, Sportschütze oder dich einfach fundiert informieren willst - hier bekommst du das Wissen, das ich mir über Jahre im scharfen Einsatz und im Training erarbeitet habe. Keine Herstellerprospekte, keine Marketingversprechen. Sondern ehrliche Einschätzungen eines Anwenders, der auf seine Ausrüstung angewiesen war.
Grundlagen: Wie funktioniert ein Zielfernrohr?
Bevor wir über Vergrößerungen und Absehen sprechen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Grundlagen. Ein Zielfernrohr ist im Kern ein optisches System aus mehreren Linsengruppen, die in einem robusten Rohr - dem Tubus - verbaut sind.
Der optische Aufbau
Jedes Zielfernrohr besteht aus vier wesentlichen Komponenten:
- Objektiv (vorne): Die große Linse an der Vorderseite sammelt das Licht und erzeugt ein erstes Bild des Ziels. Je größer der Objektivdurchmesser, desto mehr Licht wird eingefangen - entscheidend bei schlechten Lichtverhältnissen.
- Umkehrsystem: Das Objektiv erzeugt zunächst ein auf dem Kopf stehendes Bild. Das Umkehrsystem dreht dieses Bild wieder richtig herum. Bei modernen Zielfernrohren geschieht das über ein Prisma oder ein Linsensystem.
- Absehenebene: Hier sitzt das Fadenkreuz, also das Absehen. Es kann entweder in der ersten Bildebene (FFP - First Focal Plane) oder in der zweiten Bildebene (SFP - Second Focal Plane) liegen. Der Unterschied ist relevant und wird weiter unten erklärt.
- Okular (hinten): Die Linse, durch die du schaust. Sie vergrößert das Bild mit dem Absehen und fokussiert es für dein Auge.
Verstellmechanik
Die Türmchen oben und seitlich am Zielfernrohr - Höhe (Elevation) und Seite (Windage) - verschieben das Absehen in feinen Schritten. Ein Klick entspricht dabei einer definierten Verstellung, typischerweise 1 cm auf 100 Meter (1 MOA) oder 0,1 Mil (MRAD). Über diese Türmchen wird das Zielfernrohr eingeschossen und an verschiedene Entfernungen angepasst.
Mein Hinweis: Vergiss nie, dass jede noch so gute Optik nur so präzise arbeitet, wie ihre Mechanik es zulässt. Billige Verstellmechaniken haben Spiel, sind ungenau in der Wiederholbarkeit und verlieren unter Belastung ihre Einstellung. Das ist der Punkt, an dem du den Unterschied zwischen einem 200-Euro-Glas und einem 1500-Euro-Glas wirklich spürst.
Vergrößerung und Objektivdurchmesser verstehen
Die Bezeichnung eines Zielfernrohrs wie 3-12x56 verwirrt Einsteiger oft. Dabei ist die Logik einfach, wenn man sie einmal verstanden hat.
Was bedeutet 3-12x56?
- 3-12x = variable Vergrößerung von 3-fach bis 12-fach
- 56 = Objektivdurchmesser in Millimetern
Ein 6x42 wäre demnach ein Glas mit fester 6-facher Vergrößerung und 42 mm Objektiv.
Festvergrößerung vs. variable Vergrößerung
Festvergrößerung hat den Vorteil maximaler optischer Klarheit bei weniger beweglichen Teilen - also potenziell robuster. Im taktischen Bereich werden Festvergrößerungen wie 10x oder 12x gezielt für Long-Range-Aufgaben eingesetzt.
Variable Vergrößerung bietet Flexibilität. Du kannst bei einer Drückjagd auf niedriger Vergrößerung arbeiten und für den weiten Schuss hochdrehen. In der Praxis hat sich die variable Vergrößerung für die meisten Anwender durchgesetzt - die Qualität moderner Gläser macht den früheren Nachteil gegenüber Festoptiken weitgehend irrelevant.
Austrittspupille - Die Zahl, die viele ignorieren
Die Austrittspupille berechnest du so: Objektivdurchmesser geteilt durch Vergrößerung.
Bei einem 3-12x56 auf niedrigster Stufe: 56 / 3 = 18,7 mm Auf höchster Stufe: 56 / 12 = 4,7 mm
Warum ist das wichtig? Deine Pupille öffnet sich bei Dämmerung auf etwa 5-7 mm. Ist die Austrittspupille des Glases kleiner als deine Pupille, geht Licht verloren - das Bild wird dunkler. Für die Jagd in der Dämmerung brauchst du daher eine Austrittspupille von mindestens 5 mm bei der Vergrößerung, die du tatsächlich nutzt.
Dämmerungszahl
Die Dämmerungszahl berechnet sich als Wurzel aus (Vergrößerung x Objektivdurchmesser). Bei einem 8x56: Wurzel aus 448 = 21,2. Je höher die Dämmerungszahl, desto besser erkennst du Details bei schlechtem Licht - zumindest in der Theorie. In der Praxis spielen Glasqualität und Vergütung eine mindestens ebenso große Rolle.
Meine Empfehlung zur Zielfernrohr Vergrößerung:
| Einsatzzweck | Empfohlene Vergrößerung |
|---|---|
| Drückjagd / Bewegte Ziele | 1-6x oder 1-8x |
| Ansitzjagd bis 200 m | 3-12x oder 2,5-10x |
| Bergjagd / Weite Schüsse | 4-16x oder 5-25x |
| Sportliches Präzisionsschießen | 5-25x oder 6-24x |
| Long Range (600 m+) | 5-25x oder höher |
Absehen-Typen im Überblick
Das Absehen - oft fälschlich nur als Fadenkreuz bezeichnet - ist dein Orientierungspunkt im Zielbild. Die Wahl des richtigen Absehens hat direkten Einfluss auf deine Effektivität.
Duplex / German #4
Das klassische Absehen mit dicken Balken, die zur Mitte hin dünn werden. Schnelle Zielerfassung, übersichtlich, bewährt. Ideal für die Jagd auf kurze bis mittlere Distanzen. Kein Entfernungsschätzen, kein Vorhalten - dafür einfach und zuverlässig.
Mil-Dot / MRAD-Absehen
Punkte oder Striche im Absehen ermöglichen das Schätzen von Entfernungen und das Vorhalten bei Wind oder Bewegung. Standard im taktischen und sportlichen Präzisionsschießen. Erfordert Übung und Verständnis, bietet dann aber enorme Möglichkeiten.
BDC (Bullet Drop Compensator)
Absehen mit vordefinierten Haltepunkten für verschiedene Entfernungen, abgestimmt auf bestimmte Kaliber und Laborierungen. Praktisch für Jäger, die schnell auf verschiedene Entfernungen reagieren müssen - aber nur korrekt, wenn die tatsächliche Ballistik zur vorgegebenen Kurve passt.
Beleuchtete Absehen
Ein beleuchteter Mittelpunkt hilft bei schlechten Lichtverhältnissen und gegen dunkle Hintergründe. Bei der Drückjagd quasi Pflicht, bei der Ansitzjagd in der Dämmerung äußerst hilfreich. Achte auf stufenlose Helligkeitsregelung und eine Intensität, die bei Tageslicht noch funktioniert, ohne das Zielbild zu überstrahlen.
FFP vs. SFP - Ein wichtiger Unterschied
- FFP (First Focal Plane): Das Absehen vergrößert sich mit dem Zoom. Vorteil: Die Maßeinteilungen stimmen auf jeder Vergrößerungsstufe. Unverzichtbar, wenn du regelmäßig über das Absehen Entfernungen schätzt oder Vorhalte nimmst.
- SFP (Second Focal Plane): Das Absehen bleibt immer gleich groß. Vorteil: Feinere Absehen bei niedriger Vergrößerung. Nachteil: Maßeinteilungen stimmen nur auf einer bestimmten Vergrößerung (meist der höchsten).
Mein Standpunkt: Für rein jagdliche Nutzung mit Duplex-Absehen ist SFP völlig ausreichend. Sobald du mit Mil-Dot oder MRAD-Absehen arbeitest und über das Absehen Korrekturen vornimmst, führt an FFP kein Weg vorbei.
Zielfernrohr für die Jagd: Worauf es ankommt
Die Jagd stellt je nach Art ganz unterschiedliche Anforderungen an die Optik. Eine pauschale Zielfernrohr Jagd Empfehlung gibt es nicht - aber klare Orientierungshilfen.
Ansitzjagd
Die klassische Ansitzjagd findet oft in der Dämmerung statt. Hier zählen Lichtleistung, ein breites Sehfeld und ein übersichtliches Absehen. Ein 2,5-10x56 oder 3-12x56 mit beleuchteterem Absehen ist die Arbeitskonfiguration, die sich seit Jahrzehnten bewährt. Ein großes Objektiv wie 56 mm sorgt für maximale Dämmerungsleistung.
Drückjagd
Bei der Drückjagd kommt das Wild in Bewegung. Du brauchst ein großes Sehfeld, niedrige Vergrößerung und ein Absehen, das schnelle Zielerfassung ermöglicht. Hier sind 1-6x24 oder 1-8x24 Gläser mit beleuchteterem Punkt die erste Wahl. Der Augenabstand (Eye Relief) muss großzügig sein - bei der schnellen Anschlagbewegung hast du keine Zeit, den perfekten Abstand zu suchen.
Aus meiner Erfahrung: Die Drückjagd kommt der dynamischen Schussabgabe im Einsatz am nächsten. In solchen Situationen habe ich immer auf niedrige Vergrößerung, beleuchtetem Absehen und maximale Fehlertoleranz beim Augenabstand gesetzt. Die Technik, beide Augen offen zu halten und den beleuchteten Punkt wie ein Reflexvisier zu nutzen, ist erlernbar und enorm effektiv.
Bergjagd
In den Bergen kombinieren sich weite Schüsse mit extremen Winkeln und wechselhaftem Wetter. Du brauchst mehr Vergrößerung als bei der Ansitzjagd - ein 3-18x50 oder 4-16x44 ist hier eine gute Wahl. Wichtig: Das Glas muss beschlagfrei und zu 100 Prozent wasserdicht sein. Stickstoff- oder Argonfüllung ist Pflicht. Und das Gewicht spielt eine Rolle, wenn du den ganzen Tag am Berg unterwegs bist.
Zielfernrohr für den Sportschützen
Im sportlichen Bereich verschieben sich die Prioritäten deutlich gegenüber der Jagd.
Präzisionsschießen und Benchrest
Hier geht es um maximale optische Auflösung, feine Verstellmechanik und ein Absehen, das präzise Messungen ermöglicht. Hohe Vergrößerungen von 20x bis 50x sind üblich, die Verstelltürmchen müssen klare, wiederholbare Klicks liefern. Parallaxenausgleich ist auf diesen Distanzen unverzichtbar.
Dynamisches Sportschießen
Ähnlich wie bei der Drückjagd: schnelle Zielerfassung, variables Zoom, robuste Bauweise. 1-6x oder 1-8x Gläser mit beleuchteterem Absehen dominieren in Disziplinen wie IPSC Rifle oder PRS-Wettbewerben auf kurze bis mittlere Distanzen.
Long Range (600 Meter und darüber)
Long Range ist die Königsdisziplin für Optiken. Du brauchst:
- Hohe Vergrößerung (mindestens 5-25x, besser mehr)
- Feines MRAD- oder MOA-Absehen in der ersten Bildebene (FFP)
- Großen Verstellbereich der Türmchen (Elevation mindestens 25 MRAD)
- Präzise, wiederholbare Klicks
- Parallaxenausgleich
- Einen Tubus mit 34 mm Durchmesser für maximalen Verstellbereich
Meine Erfahrung: Im Long-Range-Bereich trennt sich die Spreu vom Weizen. Hier merkst du sofort, ob die Klicks deines Turms wirklich das tun, was sie sollen. Ein Zielfernrohr, das auf dem Papier 0,1 MRAD pro Klick verspricht, in der Realität aber 0,08 bis 0,12 liefert, macht dir auf 800 Meter einen Strich durch die Rechnung. Investiere hier in Qualität.
Preisklassen im Zielfernrohr Vergleich
Der Markt bietet Optiken von unter 100 Euro bis weit über 3000 Euro. Die Frage ist nicht, was ein Zielfernrohr kostet, sondern was es unter realen Bedingungen leistet.
Budget: Unter 500 Euro
In dieser Klasse findest du Gläser, die für den Einstieg taugen, aber Kompromisse erfordern. Die Glasqualität ist akzeptabel bei guten Lichtverhältnissen, lässt aber in der Dämmerung nach. Die Mechanik ist funktional, aber nicht auf dem Niveau höherer Preisklassen.
Empfehlenswerte Hersteller: Vortex (Crossfire, Diamondback Serie), Bushnell, Meopta (Einstiegsmodelle)
Vortex verdient hier besondere Erwähnung: Die lebenslange, bedingungslose Garantie ist im Budgetbereich einzigartig und ein echtes Sicherheitsnetz.
Mittelklasse: 500 bis 1500 Euro
Hier wird es interessant. In dieser Preisklasse bekommst du Gläser, die auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig funktionieren. Bessere Vergütungen, solidere Mechanik, höhere Wiederholgenauigkeit der Verstellung.
Empfehlenswerte Hersteller: Vortex (Viper Serie), Leupold (VX-3HD, Mark 5HD), Meopta (MeoStar), Kahles, Steiner
Für die meisten Jäger und ambitionierten Sportschützen liegt das optimale Preis-Leistungs-Verhältnis in diesem Segment. Ein Leupold VX-3HD oder ein Vortex Viper PST Gen II liefern Leistung, die vor zehn Jahren noch dem Premiumsegment vorbehalten war.
Premium: Über 1500 Euro
Die Spitzenklasse der Optik. Hier bekommst du das Beste, was die Industrie produzieren kann: makellose Glasklarheit, extreme Dämmerungsleistung, mechanische Präzision auf höchstem Niveau und Robustheit, die Jahrzehnte hält.
Empfehlenswerte Hersteller: Zeiss (Victory, Conquest V6), Swarovski (Z8i, dS), Schmidt & Bender (PM II, Exos), Nightforce (ATACR, NX8), Hensoldt (ehemals Zeiss Militäroptik)
Meine ehrliche Einschätzung: Brauchst du ein 3000-Euro-Glas für die Ansitzjagd auf 100 Meter? Nein. Aber wenn du bei letztem Büchsenlicht auf 200 Meter den Überläufer sauber ansprechen musst, wirst du den Unterschied sehen - buchstäblich. Im Einsatz hatten wir Schmidt & Bender und Hensoldt auf unseren Systemen. Diese Gläser haben funktioniert, immer. Bei Regen, Kälte, nach Stürzen, nach tausenden Schuss. Diese Zuverlässigkeit hat ihren Preis, aber auch ihren Grund.
Montage und Einschießen: Die Basics
Das beste Zielfernrohr ist wertlos, wenn es falsch montiert oder nicht sauber eingeschossen ist. Diesen Schritt unterschätzen erstaunlich viele Schützen.
Montagesysteme
Es gibt drei gängige Systeme:
- Zwei-Punkt-Montage (Ringe): Zwei separate Ringe werden auf einer Picatinny- oder Weaver-Schiene oder direkt auf der Waffe montiert. Flexibel, weit verbreitet, für die meisten Anwendungen ideal.
- Blockmontage: Ein durchgehendes Montageteil, das beide Ringe verbindet. Steifer und stabiler als einzelne Ringe, oft im taktischen Bereich verwendet.
- Schwenkmontage / Aufkippmontage: Ermöglicht das schnelle Abnehmen und Aufsetzen des Zielfernrohrs, ohne die Einstellung zu verlieren. Beliebt bei Jägern in Europa, die das Glas zum Transport abnehmen wollen.
Richtig montieren
- Ringdurchmesser prüfen: 1 Zoll (25,4 mm), 30 mm oder 34 mm - muss zum Tubus passen.
- Montagehöhe: So niedrig wie möglich, damit die Wangenauflage stimmt. Aber hoch genug, dass das Objektiv nicht die Waffe berührt.
- Ausrichtung: Das Absehen muss exakt senkrecht stehen. Ein schiefes Absehen führt zu systematischen Fehlern, die mit der Entfernung zunehmen. Nutze ein Lot oder eine Wasserwaage.
- Drehmoment: Ziehe die Schrauben mit einem Drehmomentschlüssel an. Die Herstellervorgabe steht in der Anleitung - typisch sind 15-25 inch-pounds für Ringschrauben und 50-65 inch-pounds für Basismontage.
- Augenabstand einstellen: Schiebe das Glas in den Ringen vor oder zurück, bis du bei natürlichem Anschlag ein volles, schattenfreies Bild siehst.
Einschießen
Schritt 1: Grob ausrichten (Bore Sighting). Durch den Lauf schauen (bei Repetierern mit entferntem Verschluss) und das Absehen auf denselben Punkt bringen. Alternativ mit einem Laserboresighter. Das bringt dich auf die Scheibe.
Schritt 2: Erste Schüsse auf 50 Meter. Drei Schuss, Treffpunkt analysieren, Verstellung berechnen und anpassen. Dreiergruppe wiederholen, bis der Treffpunkt stimmt.
Schritt 3: Feineinstellung auf Gebrauchsentfernung. Typisch 100 Meter für Jagd, 100 oder 200 Meter für sportliche Zwecke. Wieder Dreiergruppen schießen und korrigieren. Dokumentiere die Einstellungen.
Schritt 4: Verstellung verifizieren. Stelle bewusst 2 MRAD nach oben und 2 MRAD nach rechts. Schieße eine Gruppe. Stelle zurück. Schieße wieder. Der Treffpunkt muss exakt dort landen, wo er vorher war. Das nennt sich Tracking-Test und zeigt dir, ob die Mechanik deines Glases sauber arbeitet.
Häufige Fehler beim Zielfernrohr-Kauf
In Jahren der Beratung und Ausbildung habe ich immer wieder dieselben Fehler gesehen. Hier die häufigsten - damit du sie vermeidest.
Fehler 1: Am falschen Ende sparen
Die Faustregel lautet: Investiere mindestens so viel in die Optik wie in die Waffe. Ein 300-Euro-Glas auf einer 2000-Euro-Büchse ist, als würdest du einen Sportwagen mit Winterreifen aus dem Baumarkt fahren. Die Waffe kann mehr, als die Optik zeigt.
Fehler 2: Zu viel Vergrößerung
Mehr ist nicht automatisch besser. Ein 6-24x50 auf einer Drückjagd-Waffe ist kontraproduktiv. Auf höchster Stufe siehst du nur noch Fell und findest das Ziel nicht. Wähle die Vergrößerung nach dem Einsatzzweck, nicht nach dem Prinzip der maximalen Zahl.
Fehler 3: Augenabstand ignorieren
Zu kurzer Augenabstand (Eye Relief) bedeutet bei starkem Rückstoß eine blaue Augenbraue. Mindestens 80 mm, besser 90 mm oder mehr. Bei Großkalibern ist das kein Komfortthema, sondern ein Sicherheitsthema.
Fehler 4: Montage nicht ernst nehmen
Ein lockeres Zielfernrohr, schiefe Ringe oder die falsche Montagehöhe ruinieren die Präzision jeder Optik. Die Montage ist kein Zubehör - sie ist integraler Bestandteil des Systems.
Fehler 5: Keine Praxiserfahrung vor dem Kauf
Geh in ein Fachgeschäft und schau durch verschiedene Gläser. Vergleiche bei schlechtem Licht, nicht bei Sonnenschein im Laden. Frag andere Schützen, ob du durch ihr Glas schauen darfst. Der Unterschied zwischen Gläsern wird erst sichtbar, wenn du sie unter realen Bedingungen vergleichst.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Zielfernrohr Kaufberatung
Welche Vergrößerung brauche ich für die Jagd?
Für die meisten jagdlichen Situationen in Mitteleuropa reicht ein 2,5-10x oder 3-12x aus. Entscheidend ist der Einsatzzweck: Drückjagd erfordert niedrige Vergrößerung (1-6x), Ansitzjagd und Bergjagd profitieren von mehr Vergrößerung (bis 15x oder 18x). Kaufe die Vergrößerung, die du wirklich brauchst - nicht die, die auf dem Papier am beeindruckendsten aussieht.
Ist ein teures Zielfernrohr wirklich besser?
Ja und nein. Zwischen 200 und 1000 Euro steigt die Leistung pro investiertem Euro am stärksten. Oberhalb von 1500 Euro zahlst du für die letzten Prozent Dämmerungsleistung, mechanische Perfektion und Langlebigkeit. Ob sich das lohnt, hängt von deinen Anforderungen ab. Wer oft in der Dämmerung jagt oder sportlich auf weite Distanzen schießt, wird den Unterschied merken und schätzen.
Was ist besser: FFP oder SFP?
Für Jäger mit klassischem Duplex-Absehen ist SFP die bessere Wahl - das Absehen bleibt immer gut sichtbar, unabhängig von der Vergrößerung. Für Sportschützen und Long-Range-Anwender, die über das Absehen Entfernungen messen und Korrekturen vornehmen, ist FFP die richtige Wahl, weil die Skalierung auf jeder Stufe stimmt.
Wie oft muss ich mein Zielfernrohr neu einschießen?
Nach jeder Demontage und Wiedermontage (außer bei hochwertigen Schwenkmontagen), nach starken Erschütterungen und zu Beginn jeder Jagdsaison. Plane zwei- bis dreimal im Jahr einen Kontrollschuss ein. Wenn du eine feste Montage hast und die Waffe pfleglich behandelst, bleibt die Einstellung in der Regel stabil. Aber Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser.
Welches Absehen empfiehlst du für Einsteiger?
Für Jagd-Einsteiger: ein beleuchtetes Absehen im Duplex-Stil, zum Beispiel Zeiss Absehen 60 oder ein vergleichbares Modell anderer Hersteller. Übersichtlich, schnell zu erfassen, keine Lernkurve. Wer später in den sportlichen Bereich gehen will, kann direkt mit einem Mil-Dot oder MRAD-Absehen starten - die Lernkurve ist steil, aber die Möglichkeiten sind es auch.
Fazit
Ein Zielfernrohr ist eine langfristige Investition. Kaufe nicht das erstbeste Angebot und lass dich nicht von Zahlen auf dem Datenblatt blenden. Überlege dir vorher genau, wofür du das Glas einsetzen willst, wie die Lichtverhältnisse bei deiner typischen Nutzung aussehen und welche Entfernungen realistisch sind.
Mein Rat nach über 16 Jahren mit Optiken unter den härtesten Bedingungen: Kaufe das Beste, was dein Budget hergibt - aber kaufe das Richtige für deinen Zweck. Ein hervorragendes 1-6x für die Drückjagd ist sinnvoller als ein mittelmäßiges 6-24x, das du nie über 12-fach nutzt.
Und noch etwas: Übe mit deiner Optik. Lerne dein Absehen kennen, trainiere den schnellen Anschlag, schieße auf verschiedene Entfernungen. Das beste Glas der Welt ersetzt keine Erfahrung am Schaft.
Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe zur Waffenkunde und Ausrüstungsberatung. Weitere Beiträge zu Ballistik, Waffenpflege und Einsatzausrüstung findest du in unserem Blog.
Über den Autor
Christopher Wagner ist Gründer von CPC und ehemaliger Soldat des Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr. In 16 Dienstjahren und über 1000 Einsatztagen hat er Waffen und Optik unter extremsten Bedingungen eingesetzt - von arktischer Kälte bis zu Wüstenhitze, von Höheneinsätzen in den Bergen bis zu urbanen Operationen. Heute gibt er dieses Praxiswissen an Jäger, Sportschützen und professionelle Anwender weiter. Seine Bewertungen basieren ausschließlich auf eigener Erfahrung - unabhängig und frei von Herstellerinteressen.